Arbeit auf Abruf - Flexibilität auf Kosten der Arbeitnehmer
Arbeit auf Abruf - Flexibilität auf Kosten der Arbeitnehmer

Arbeit auf Abruf zulasten der Beschäftigten

Kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit

Schon einmal von KAPOVAZ gehört? Bei „Kapazitätsorientierter variabler Arbeitszeit“ werden Beschäftigte nur bei Bedarf eingesetzt und sitzen ansonsten „auf Abruf“ zuhause – die Zeit zwischen den Arbeitseinsätzen gilt als „Freizeit“ und ist unbezahlt: Arbeitszeitflexibilität zulasten der Beschäftigten.

Gegenstand der aktuellen Arbeitszeitdebatte sind die Flexibilisierungsbedarfe von Beschäftigten und Betrieben. Eine moderne Arbeitszeitpolitik muss darauf abzielen, die Zeitsouveränität von Beschäftigten zu erhöhen, lebenslauforientierte Arbeitszeiten zu fördern und Regelungen durchzusetzen, die die Beschäftigten vor einer einseitigen betriebsbedingten lexibilisierung schützen. Wie nötig das ist, wird in dieser Arbeitsmarktaktuell-Ausgabe am
Beispiel von Arbeit auf Abruf gezeigt, einer in der öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte bislang kaum wahrgenommenen Form der prekären Beschäftigung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Arbeit auf Abruf ist in § 12 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG) geregelt und liegt vor, wenn Beschäftigte ihre Arbeitsleistung entsprechend des betrieblichen Arbeitsanfalls – also nach Bedarf – zu erbringen haben. Der Arbeitgeber kann kurzfristig die Lage und teilweise auch das Volumen der von dem/der Beschäftigten zu erbringenden wöchentlichen Arbeitsleistung festlegen. Der/die Beschäftigte in Arbeit auf Abruf ist immer nur dann zur Arbeitsleistung verpflichtet, wenn der Arbeitseinsatz mindestens vier Tage im Voraus angekündigt wird.
  • Arbeit auf Abruf ist keine Randerscheinung am Arbeitsmarkt. Rund 13 Prozent der Betriebe mit mehr als 10 Beschäftigten nutzen diese Arbeitszeitform (IAB) und mindestens rund 5 Prozent der Beschäftigten sind davon betroffen (SOEP). Eventuelle Dunkelziffern berücksichtigt, dürfte die Zahl sogar noch höher liegen. Die Beschäftigten tragen ein höheres Risiko in Arbeit auf Abruf tätig zu sein, wenn sie in kleinen Betrieben, in bestimmten Branchen (wie bspw. Einzelhandel oder Gastronomie) und/oder wenn sie in Minijobs tätig sind.
  • Arbeit auf Abruf ist für die Beschäftigten mit Risiken verbunden. In der betrieblichen Praxis bleibt Arbeit auf Abruf oftmals durch die Nichtgewährung von Arbeitnehmerrechten hinter den sozialen und rechtlichen Standards zurück. Hinzu kommen eingeschränkte Möglichkeiten bei der Planbarkeit des Alltags sowie schwankende Einkommen, oftmals gepaart mit niedrigen Löhnen.
  • Um Arbeit auf Abruf seine gesetzliche Grundlage zu entziehen, wäre eine Streichung des § 12 TzBfG notwendig. Zudem braucht es eine Regelung, dass sogenannte Null-StundenVerträge unzulässig sind. Solange die Regelung der Arbeit auf Abruf in § 12 TzBfG bestehen bleibt, wäre zumindest eine gesetzliche Klarstellung sinnvoll, dass die tatsächlich geleistete Durchschnittsstundenanzahl als fest vereinbart gilt. Es sind aber auch Fälle denkbar, in denen bspw. aufgrund von stark variierendem Arbeitsvolumen diese Durchschnittsstundenanzahl nicht ermittelt werden kann. Für diese Fälle sollte zum Schutz der Arbeitnehmer/innen branchenübliche Vollzeit gelten.

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Auf 21 A4-Seiten werden alle detaillierten Informationen veröffentlicht. Einfach zum Download:

2016-09-24 - Arbeit auf Abruf - Download arbeitsmarktaktuell vom DGB
2016-09-24 – Arbeit auf Abruf – Download arbeitsmarktaktuell als .pdf-Datei vom DGB

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